Reinhold Schmid
29. Dezember 1940 bis 19. Juli 1941 †
Brief an die Eltern und Geschwister · 5. Juli 1941
An der Beresina, 5.7.41
Liebe Eltern und Geschwister!
Ganz schnell will ich Euch ein Brieflein schreiben. Ich bin noch gesund und es geht mir gut. Meine Feuertaufe ist schon längst vorüber. Zur Zeit stehen wir im schweren Kampfe um
die Beresina. Wir haben sehr viele Gefallene und Verwundete. Diesen Kampf kann ich Euch gar nicht beschreiben. Es gibt bereits keine Gefangene. Mit einem ehrlichen Kampf ist hier gar nicht die Rede. Lauter Heckenschützen u. sonstiges viehisches Volk ist unser Gegner. Mein Leutnant und Feldwebel sind bereits tot. Von meiner 13 Mann starken Gruppe sind wir nur noch zu viert. Ich habe unmögliches Glück bis jetzt. Das schlimmste ist die feindliche Artillerie. Peterle soll fest für mich beten, daß ich wieder nach Hause komm. Ich habe ihn
immer bei mir. Paule hat mir auch geschrieben. Auch habe ich die Post von Anni bekommen. Richtet ihr aus daß Uffz. Klug bereits gefallen ist. Von der 1. Komp. sind es allein 30 Tote mit dem Chef.
Liebe Eltern, der Übergang über die Beresina ist von uns erzwungen worden. Und werden auch dort kämpfen wo uns der Russe in die Quere läuft. Seid stolz, daß auch ich bei dem schwersten Kampfe aller Zeiten dabei sein kann. Habt keine Angst, denn das Leben von uns ist in den Händen des Schicksals. Also keine unnötigen Sorgen sondern festen Glauben. Ich habe das feste Gefühl, daß ich meine Heimat wiedersehen werde.
Es grüßt Euch alle recht herzlich
von Eurem
Reinhold